Pullacher Immobilienbrief - page 9

Die gezeigten Bilder (wenn nicht anders gekennzeichnet)
stammen aus dem faszinierenden Buch „Haus & Auto“ von
Andreas k. Vetter, welches im renommierten Callwey Verlag
erschienen ist.
HAUS & AUTO, 176 Seiten, 263 Farbfotos und 64 Pläne
25 x 28 cm, gebunden mit Schutzumschlag,
59,95
© K + W
Architektur
Seite 9
Studio-Garagen:
Das Auto
als
Kultobjekt
Welchen Stellenwert hat das Auto
heute noch in einer Zeit, in der Mo-
bilität von der jungen Generation
ganz anders definiert wird, als dies
ihre Eltern getan haben? Früher war
ein leistungsstarkes Auto Ausdruck
von Freiheit: Das „ich kann überall
hin, und das sogar sehr schnell, wenn
ich möchte“ war die Botschaft des
selbstbestimmten Mannes mit presti-
geträchtigen Fahrzeug. Heute wirken
solche Carguys wie Relikte längst vergangener Zeiten, wie Till
Schweiger in
„Manta, Manta“
. Selbst in einer absolut technologie-
hörigen Gesellschaft wie der japanischen zählt das Auto nicht mal
mehr zu den Top 10 - Items, die für junge Menschen reizvoll sind.
Chris Bangle, ehemaliger Stardesigner bei BMW, spricht es aus: „Es
ist ja inzwischen hinlänglich bekannt, dass die Hersteller ein Rie-
senproblem haben: Junge Menschen interessieren sich kaum noch
für Autos, was letztlich das Überleben der gesamten Autoindustrie
berührt“.
Früher war Mobilität nötig, um zu kommunizieren. Heute machen
es die modernen Kommunikationsmöglichkeiten leicht, sich auszu-
tauschen, auch ohne sich dabei treffen zu müssen. Das Auto wird
zum reinen Gebrauchsgegenstand, welches man noch nicht einmal
mehr besitzen muss. Gerade unter jungen Men-
schen sind Car-Sharing-Modelle sehr beliebt,
weil sie kostengünstig und auch ökologisch
überzeugend sind.
Die Hersteller versuchen verzweifelt einem
Trend entgegenzusteuern, der dramatische
Konsequenzen haben kann: Autos werden fast
zwanghaft emotionalisiert, jüngere Zielgrup-
pen damit aber kaum noch angesprochen.
Kein Wunder, dass die Oldtimer-Szene in
Deutschland einen Boom erfährt. Skurrile Ei-
genständigkeiten statt austauschbares Ein-
heitsdesign: Die Klassiker von früher wirken
wie eine luftige Erinnerung an verklärte Zei-
ten, in denen der Lebensrhythmus weniger
hektisch als heute gewesen sein soll. Dass Auto
erfährt seine Bestimmung nicht mehr als tech-
nologisch überoptimiertes Transportmittel,
sondern als ganz besonderes Designobjekt. In
diesem Kontext ist es nur konsequent, das
manche der Klassiker Eingang in den Wohn-
raum der Carguys finden: Die Studio-Garage
für denjenigen, der sich für Form und Origina-
lität begeistern kann, für den Mobilität aber
unabhängig vom Automobil geworden ist.
Haus R, Kögl Architekten (über eternit)
Garagengebäude, Peter Kunz
Architekten (über eternit)
1,2,3,4,5,6,7,8 10,11,12,13,14,15,16